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Ausgabe 12/99 (29.03.99)Inhalte: |
Bibel und Koran gefiltert...Das Censorware-Project, eine Organisation, die sich gegen den Einsatz von Filter-Software und andere Formen der Zensur ausspricht, versucht erneut die Sinnlosigkeit von Filter-Verfahren zu demonstrieren. Hierzu haben die Initiatoren die Log-Files von Rechnern mehrerer Schulen und Bibliotheken des Staates Utah analysiert. Daten, die sie erst nach einem langen Streit mit der zuständigen Behörde erhalten haben. Alle untersuchten öffentlichen Einrichtungen filtern den WWW-Zugang der Anwender mit Hilfe der Filter-Software Smartfilter. Die Analyse der über 53 Millionen Datenzeilen ergab zunächst, daß nur ein geringer Prozentsatz der WWW-Zugriffe gefiltert wurde. In weniger als 0,4 Prozent aller Fälle verhinderte der Smartfilter den Download von Daten. Dieser Prozentsatz war während der Unterrichtszeiten niedriger und stieg täglich nach Schulende an. Die Autoren halten dies für einen Hinweis, daß der Zugriff auf sexuell explizites Material weniger durch Schüler, als vielmehr durch andere Personen erfolgt. Censorware.org konnte weiterhin erneut den Nachweis erbringen, daß Filter-Software auch den Zugriff auf solche Sites verhindert, die sozial und kulturell erwünschte Inhalte beherbergen. So verhinderte Smartfilter den Zugriff auf Sites, die sich mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der amerikanischen Verfassung, der Bibel, dem Koran, Shakespeares Werken oder auch den Abenteuern Sherlock Holmes beschäftigen. Auch Sites, die sich kritisch mit Hate-Sites, Nazi-Deutschland oder Drogen auseinandersetzten, wurden weggefiltert. Und das obwohl der Smartfilter-Hersteller angibt, daß alle gefilterten Sites zuvor genauestens von einem Redaktionsteam überprüft werden. Aber trotz all dieser Beweise muten die Aktivitäten der Anti-Filter-Aktivisten sinnlos an. Solche Belege wurden mittlerweile mehrfach erbracht. Dennoch setzen mehr und mehr Bibliotheken und Schulen in den USA und auch in Deutschland derartige Software ein. Und das, obwohl diese amerikanischen Produkte hierzulande vermutlich zu noch schlechteren Ergebnissen führen als in den USA. Der Grund: Viele dieser Programme benutzen englische Begriffssammlungen bei der Filterung. Vermutlich führt oft die Rechtsunsicherheit im Zusammenhang mit dem neuen Medium dazu, daß Betreiber öffentlicher Rechner einfach nur "vorsichtshalber" solche Software einsetzen, um rechtliche Probleme zu vermeiden. Und auch die Jugendämter spielen hier eine wichtige Rolle, da sie mittlerweile in vielen Städten den Betreibern von Internet-Cafés den Einsatz solcher Software zur Auflage machen. Auch dies auf mehr oder weniger solider rechtlicher Grundlage. So können Organisationen wie Censor.org noch so viele Arbeitsstunden in die Analyse von Filter-Software stecken: All ihre Bemühungen sind umsonst, solange nicht (von staatlicher Seite) für Rechtssicherheit gesorgt wird. Dagegen haben wiederum viele Betreiber etwas, weil sie im Falle einer eindeutigen staatlichen Klärung eine Verschlechterung der Situation befürchten. Und diese Furcht ist durchaus nicht unbegründet. So bleibt trotz der Censorware.org-Untersuchung zumindest in Deutschland alles beim alten. Und die Hersteller von Filter-Software können sich weiterhin über gut gehende Geschäfte freuen. Wollen Sie diese Seite jemandem empfehlen? Nur zu! |
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