Wie unterschiedliche Institutionen digitale Daten archivieren

Umgang bei Behörden und Archiven in der Schweiz

Eine Strategiestudie vom Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (VSA) mit dem Titel "Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elektronischen Systemen" verschafft hier einen Überblick.

 

Der Bericht, die eine Arbeitsgruppe von 1998 bis 2002 erarbeitet hat, umfasst 180 Seiten. Er enthält eine Bestandsaufnahme und legt Strategien für die nächsten 15 Jahre fest. [1]

 

Als Strategie wird der Migrationsansatz, verbunden mit Umwandlung auf Standardformate vorgeschlagen, wie er auch heute schon angewandt wird. Applikationen werden nicht mitarchiviert:

 

"Jede der dargestellten Strategien ist mit Risiken verbunden, am kleinsten scheinen sie aus heutiger Perspektive bei der applikationsfreien Archivierung mit Konversion und Migration zu sein. Diese ist unseres Wissens auch die einzige Strategie, die bereits im produktiven Archiv­betrieb umgesetzt wird." [2]

 

Zwei Seiten weiter wird dies nochmals bekräftigt:

 

"Trotz der bestehenden Schwierigkeiten bleibt somit das Migrationsmodell im engeren Archivbereich bis auf weiteres der brauchbarste und sicherste Ansatz"

 

Die Strategie der Emulation wird zwar in Betracht gezogen, aber als zu unsicher und zu unerforscht verworfen:

 

"Der dritte Ansatz, die Entwicklung von Emulationsstrategien, ist stark umstritten. [...] Dieser vom Informatikverantwortlichen der RAND Cooperation USA, Jeff Rothenberg1, propagierte Ansatz basiert auf der Annahme, dass es mittelfristig möglich sein wird, alle heutigen Compu­ter-Prozessortypen sowie dazugehörige periphere Hardware-Komponenten auf künftigen Computergenerationen zu emulieren. Die Annahme ist, dass solche Prozessor-Emulatoren es ermöglichen würden, die zusammen mit dem Betriebssystem archivierte Applikation auch nach Jahrzehnten unter exakt denselben Bedingungen zu benutzen wie zum Zeitpunkt der Archivierung. Mehrheitlich wird von IT-Spezialisten die Meinung vertreten, dass der Emulationsansatz die Komplexität des Problems weit unterschätzt." [3]

 

Die Technologiekonservierung wird rundweg abgelehnt:

 

"Der Aufbau eines Technikmuseums, in dem alte Hard- und Softwareumgebungen aufbe­wahrt werden, um Programme und Daten in ihrer ursprünglichen Umgebung lauffähig zu halten, kann nicht Aufgabe der Archive sein, und irgendwann müssten die Ersatzteile für diese Geräte eigens nachgebaut werden, was langfristig zu sehr hohen Kosten führen dürfte."

 

Es gibt noch die Möglichkeit, die digitalen Daten analog abzuspeichern, dazu:

 

"Das Ausdrucken digitaler Unterlagen auf Papier oder Mikrofilm bedeutet einen Medienwechsel sowie den Verlust von Funktionalitäten und Metadaten. Angesichts der Tendenz, immer mehr Archivgut zwecks besserer Vermittlung an die Kunden in elektronischer Form bereitzu­stellen, ist dies eine Strategie, die langfristig keinen Sinn macht und die den sich wandelnden Bedürfnissen der Benutzenden zuwiderläuft." [4]

 

Im Bereich von Multimedia, geschweige dem von Applikationen, gibt es laut diesem Bericht aber bis heute keine Lösung:

 

"Ein universelles Multimedia-Archivformat (das zum Beispiel auch das Abspielen von Anima­tionen auf längere Dauer sicherstellen würde) ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Im Rahmen dieser Studie wurden keine detaillierteren Abklärungen getroffen, ob es Archive gibt, die Powerpoint-Präsentationen oder andere vergleichbare Unterlagen in ihrem ursprünglichen Format übernehmen." [5]

Kommentar

Ich persönlich denke, dass die Migration für nicht multimediale Daten die richtige Strategie darstellt. Im Bereich der normalen Dokumente gibt es viele standardisierte und gut dokumentierte Dateiformate. Für Text HTML, XML, SGML, RTF und PDF, für Bilder TIFF und JPEG und für Tonmaterial WAVE und MP3. [6]

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[1] Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elektronischen Systemen: www.staluzern.ch/vsa/ag_aea/strategie/d_strategie.pdf

[2] Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elekt. Systemen. S. 29

[3] Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elekt. Systemen. S. 27

[4] Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elekt. Systemen. S. 27

[5] Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elekt. Systemen. S. 41

[6] Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elektronischen Systemen. Anhang 3: Standarts. S. 9-11

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