Diplomkonzepthistory:Version 0.2 01.04.2003 Thema starkt vertieft Version 0.1 25.03.2003 ThemaEinführungMuseen, Institutionen und Künstler, die Digitale Kunst archivieren, stehen alle vor einem Problem: Digitale Werke sind schlecht haltbar. Es ist nicht so, dass digitale Datenträger an und für sich schnell kapput gehen. Eine qualitativ gute CD-Rom sollte noch nach 100 Jahre fehlerfrei lesbar sein. Der CD-Rom Hersteller MAM-E garantieren sogar eine Datensicherheit von 200 Jahren.1 Diese Zeiträume werden aber nur bei optimaler Lagerbedingung erreicht: In einem Licht geschützen und staubfreien Archiv, bei gleichbleibender Temperatur zwischen 10 bis 25 °C und einer maximalen Luftfeuchtigkeit von 50%.2 Die Haltbarkeit der Datenträger erschwert also nur eine Archivierung über lange Zeiträume. Aber dieses Problem kann durch umkopieren auf neue Datenträger, durch Refreshing überwunden werden.Die wirklich Problematik der Dauerhaftikeit liegt aber bei der Software und der Hardware, welche zum Lesen und Darstellen der Daten benutzt wird.3 Software entwickelt sich stetig weiter und gerade bei weit verbreiteten proprietären Dateiformaten ist die Rückwärtskompatibilität der Software selten über mehrere Versionen vorhanden.4 Auch die Hardware entwickelt sich rasant, wer von uns arbeitet schon mit einem Computer, der älter als 5 Jahre ist ? Unterschiedliche Strategien 5Um digitale Werke zu erhalten, gibt es heute drei anerkannte Vorgehensweisen zur Konservierung. Jede Strategie hat ihre Vor- und Nachteile, je nach Anwendungsgebiet und Art der Daten. MigrationBei der Migration werden digitale Daten von einer Hardware/Software Generation zur Nächsten transferiert. Veraltete Dateiformate und Datenträger werden dabei in Aktuelle übertragen. Vorteile: -Vorgehensweisen für ein einfache Migration sind weit verbreitet. -Ist die bevorzugte Strategie der meisten digitalen Archive.Nachteile: Verlust von Funktionalität und Erscheinung des Originals Komplexere digitale Werke können nur mit bedeutenden Verlust an Funktionalität emigriert werden. Muss in regelmässig Abständen immer wieder vorgenommen werden. Teuer und bei komplexeren Quellen sehr aufwendig. EmulationUeberholte Hardware wird mit aktuellen Software imitiert. Ein altes Betriebssystem und die dazugehörige Software bleiben so auf dieser künstlichen Hardware funktionstüchtig und ermöglicht das Darstellen der Originaldaten. Vorteile: Erhält die Funktionalität und Erscheinung des Originals. Vermeidet durch wiederholte Migration verursachte kosten. Erzielt beste Resultate für komplexe digitale Daten. Nachteile: Ist eine noch nicht ausgereifte Strategie. Kann sehr teuer sein, wenn neue Emulatoren entwickelt werden müssen. Komplexe Copyright Probleme. Hardware- und Softwareanforderung müssen detailiert Dokumentiert sein. TechnologiekonservierungAlte Computer und deren Pereferiegeräte werden eingelagert, um auf die Originalmedien zugreifen zu können. Vorteile: Funktionalität und Erscheinung des Originals bleibt erhalten. Kann vorübergehend andere Konservierungsformen ersetzen und so Kosten sparen. Für sehr komplexe Daten einziges bezahlbares Vorgehen. Nachteile: Nur für kurz- und mittelfristige Konservierung geeignet. Technischer Support ist schnell nicht mehr vorhanden. Zugang wird je länger je schwieriger. Wie unterschiedliche Institutionen digitale Daten archivierenUmgang bei Behörden und Archiven in der SchweizEine Strategiestudie vom Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (VSA) mit dem Titel "Gesamt schweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elektronischen Systemen" gibt hier einen Ueberblick. Der Bericht umfasst 180 Seiten, die eine Arbeitsgruppe von 1998 bis 2002 erarbeitet hat. Er enthält eine Bestandesaufnahme und legt Strategien für die nächsten 15 Jahre dar.6 Als Strategie wir der Migrationsansatz verbunden mit Umwandlung auf Standartformate vorgeschlagen, der auch heute schon angewandt wird. Applikationen werden nicht mitarchiviert: "Jede der dargestellten Strategien ist mit Risiken verbunden, am kleinsten scheinen sie aus heutiger Perspektive bei der applikationsfreien Archivierung mit Konversion und Migration zu sein. Diese ist unseres Wissens auch die einzige Strategie, die bereits im produktiven Archivbetrieb umgesetzt wird."7Zwei Seiten weiter wird dies nochmals Bekräftigt: "Trotz der bestehenden Schwierigkeiten bleibt somit das Migrationsmodell im enge- ren Archivbereich bis auf weiteres der brauchbarste und sicherste Ansatz"Die Strategie der Emulation wird zwar in Betracht gezogen, aber als zu unsicher und zu unerforscht verworfen: "... die Entwicklung von Emulationsstrategien, ist stark umstritten. [...] Mehrheitlich wird von IT-Spezialisten die Meinung vertreten, dass der Emulationsansatz die Komplexität des Problems weit unterschätzt."8Die Technologiekonservierung wird rundweg abgelehnt: "Der Aufbau eines Technikmuseums, in dem alte Hard- und Softwareumgebungen aufbewahrt werden, um Programme und Daten in ihrer ursprünglichen Umgebung lauffähig zu halten, kann nicht Aufgabe der Archive sein, und irgendwann müssten die Ersatzteile für diese Geräte eigens nachgebaut werden, was langfristig zu sehr hohen Kosten führen dürfte."Es gibt noch die Möglichkeiten die digitalen Daten analog abzuspeichern, dazu: "Das Ausdrucken digitaler Unterlagen auf Papier oder Mikrofilm bedeutet einen Medienwechsel sowie den Verlust von Funktionalitäten und Metadaten. Angesichts der Tendenz, immer mehr Archivgut zwecks besserer Vermittlung an die Kunden in elektronischer Form bereitzustellen, ist dies eine Strategie, die langfristig keinen Sinn macht und die den sich wandelnden Bedürfnissen der Benutzenden zuwiderlauft."9Im Bereich von Multimedia, geschweige den von Applikationen, gibt es laut diesem Bericht aber bis heute keine Lösung: "Ein universelles Multimedia-Archivformat (das zum Beispiel auch das Abspielen vonAnimationen auf längere Dauer sicherstellen würde) ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Im Rahmen dieser Studie wurden keine detaillierteren Abklärungen getroffen, ob es Archive gibt, die Powerpoint-Präsentationen oder andere vergleichbare Unter- lagen in ihrem ursprünglichen Format übernehmen"10Ich persönlich denke, das die Migration für nicht Multimediale Daten die richtige Strategie darstellt. Im Bereich von noramlen Dokumenten gibt es viele standardisierte und gut dokumentierte Dateiformate. Für Text HTML, XML, SGML, RTF und PDF, für Bilder TIFF und JPEG und für Tonmetrial WAVE und MP3.11 Wie sieht es im Bereich der digitalen Kultur aus ?Unter digitaler Kultur verstehe ich etwas anders als eine Simulation von analogen Medien im Digitalen. Ein Film, sei er auch digital Produziert, lehnt sich an 110 Jahren Filmgeschichte an, nicht an die des Computers. Zur digitalen Kultur gehören meiner Meinung nach Computerspiele, interaktive Installationen und Net.art. Diese Kategorien können nicht einfach in analoge Medien übertragen werden, ohne bedeutende Verluste ihrer Funktionalitäten und Aussagen einzubüssen. Viele digitale Archive im Internet verdiene diesen Namen nicht. Das meiste sind digitale Sammlungen, die in den letzten 5-10 Jahren angelegt worden sind. Die Mehrheit davon bieten keine Information wie sie der Kurzlebigkeit des Digitalen entgegentreten wollen. Zudem repräsentieren viele digitale Archive analoge Medien in digitaler Form. digitalgamearchive.orgBei Computerspielen ist es heute schon üblich alte Games auf Emulatoren zu spielen. So gibt es etwa für den Commodore 64 drei verschiedene Emulatoren welche die Hardware des C64 auf DOS, Windows, Mac OSX, BeOS, OS/2 und Linux simulieren.12 Emulation ist auch für digitalgamearchive.org die Archivierungsstrategie der Wahl: "An emulator is therefore the heart of software preservation. In archiving the software, it is ensured that the data will stay in existence, and in writing, and archiving an emulator, it is ensured that the Data will stak readable."rhizome.orgrhizome.org ist eine online Plattform für Neue Medien Kunst. Sie beinhaltet ein grosses Archive und dient ihren Mitgliedern als Community. Als langfristige Strategie wird auf Emulation gesetzt: "One of the central problems facing preservationists in the future will be how to run old, obsolete software and documents on new systems. As a strategy for addressing this problem, emulation is especially suited to works of digital media art."13Sie beziehen sich stark auf Jeff Rothenberg, der als erster im Jahre 1995 die Strategie der Emulation zur Erhaltung von digitalen Daten vorgeschlagen hat. Rothenberg wendet sich gegen eine Migrationsstrategie, weil diese seiner Meinung nach durch zukünftige Paradigmenwechsel der Software/Hardware bedroht ist.14 Was kann ich als Kulturschaffender für mein eigenes Archiv tun ?Welche Strategie ist praktikabel ?Ich habe mich aus folgenden Gründen für die Strategie der Emulation entschieden: Mein Werke halten sich selten an Standartformate. Um Software lauffähig zu erhalten ist dies die einzige Möglichkeit. Ich habe weder die Finanzkraft, die Zeit noch das Wissen, alle 5 Jahre meine Werke zu emigrieren. Ich strebe nur eine mittelfristig Konservierung an, meine verbleibende Lebensdauer ist das Ziel. Ich besitze das Know How dazu. Gegen die andere gangbare Strategie, die Migration, spricht vorallem, dass meine Projekte zum Teil selbst geschriebene Software enthalten. Software, gerade in der vielfach unsauberen Art, wie ich sie als Autodidakt schreibe, läst sich nicht migrieren. Technologiekonservierung kommt für mich aus prakischen Gründen nicht in Frage. Mein VorgehenDas Werk und die zur Betrachtung benötigte Softwareumgebung sollten immer zusammen in einem lauffähigen Zustand auf eine CD-Rom abgespeichert werden. Als Ausgangspunkt benutze ich die Knoppix Linux Live CD15 Knoppix enthält ein Betriebssystem und verschiedene freie Software. Diese CD legt man in einen handelsüblichen PC ein. Der Computer erkennt, dass er von der CD aus starten kann und lädt von dort das Betriebssystem. Sobald der Computer gebootet (aufgestartet) ist, kann man zu arbeiten beginnen.Veränderungen können vorgenommen und temporär im Kurzspeicher (RAM) gespeichert werden. Da es sich bei der CD um ein schreibgeschütztes Medium handelt, kann darauf nichts gespeichert werden: Bei einem Neustart gehen alle geänderten Daten verloren, die CD bleibt in unverändertem Zustand. Es ist möglich die Knoppix CD zu remastern, das heisst Softwarpackete und Daten darauf auszutauschen. So kann man seine eigenen Daten und Projekte darauf installieren und diese in einem lauffähigen Zustand konservieren. Da die Knoppix CD auf Debian GNU/Linux16 aufbaut, entfallen allfällige Copyrightprobleme weitgehendst. Die ganze CD steht unter GNU General Public License.17 Diese Softwarelizenz ermöglicht es die Software zu verändern, eine unbeschränkte Anzahl von Kopien anzufertigen und diese kostenlos weiterzugeben. Nicht nur das Betriebssystem untersteht dieser Lizenz, sondern auch allfällige benötigte Programme wie Bildbetrachter, Textverarbeitungen, Datenbanken, Webserver und Browser. Diese Vorgehensweise ist mit einem proprietären Betriebssystem wie Windows technisch vielleicht möglich, rechtlich aber nicht vertretbar. Windows und andere Software besitzen Lizenzen, die das Kopieren und Weitergeben ausdrücklich verbieten. Dieses rechtliche Problem ist auch eine der Gründe warum Emulation als Archivierungsstrategie eine schweren Stand hat. Knoppix unter EmulationDie Knoppix Linux Live CD wurde schon erfolgreich unter dem Open Source Emulator Bochs 2.0 getestet.18 Bochs emuliert die Hardware eins x86 Rechner, zu welcher auch der aktueller PC gehört. Bochs 2.0 läuft im Augenblick auf Windows, Linux, Mac OS X, Mac OS 9 und BeOS19 Auch unter VMware Workstation, eine proprietären x86 Emulator der auf Windows und Linux läuft, wurde Knoppix erfolgreich getestet.20 21 Da es sich beim PC um ein weit verbreitetes und gut dokumentierte Computerplattform handelt, ist damit zu rechnen das es auch in Zukunft davon Emulatoren geben wird. Grenzen der EmulationDie Nachteile der Emulation ergeben sich aus dem Faktum, dass Projekte welche den Zugriffe auf andere Computer benötigen, grundsätzlich nicht speicherbar sind. Zum jetztigen Zeitpunkt ist es kein Problem aus der Emulation auf bestehende Netzwerke wie das Internet zuzugreifen. Die Kommunikationsprotokolle sind aber ebenfalls einem starken Wandel unterworfen, und werde in wenigen Jahren von neuen abgelöst worden sein. Ein Zugriff aufs Internet wird nicht mehr möglich sein. Eine andere Einschränkung der Emulation besteht aus Projekten, die mit speziellen Hardware arbeiten. In einer Emulation wird nur Standarthardware imitiert, eine Import von Sensordaten oder Bilder einer Webcam sind längerfristig durch die fortschreitende Hardwareevolution nicht realisierbar. Digitale WareNoch wichtiger als die Archiverung, weil etwas für die Gegenwart, ist das komplexe ditigale Projekte durch die CD distributierbar werden. Endlich können Webseiten und Projekte, welche auf unterschiedlicher Software aufbauen, weitergegebenen werden. So ermöglicht es die Knoppix CD erstmals initeraktive, auf Datanbanken basierende Webseiten voll funktionstüchtig zu erhalten. Es erübrigen sich Installationen von Plug-In und Programmen, die vorallem für ungeübte Computerbenutzer zum Stolperstein werden können und nur ungern gemacht werden. Die Festplatte, worauf sich das installierte Betriebssystem und die Programme des Computers befinden, wird nicht angetastet. Knoppix ändert an der Softwarekonfiguration des Gastcomputers nichts, ja sie erlaubt es sogar fremde Computer zu benutzen, die den normalen Zugang durch ein Passwort verhindern, ohne das dies Jemand je bemerkt. Eine URL eines Projektes anzugeben ist sehr unpersönlich, denn die kann ja jeder anschauen. Menschen besitzen gern, noch mehr wenn sie denken sie haben etwas was nicht jeder hat: eine lauffähiges Projekt auf einer CD. Was bei einer Webseite schnell passiert ist, ist bei ihr nicht so leicht: sie nicht anzugucken. ProjektbeschreibungEs ist möglich die Knoppix CD zu remastern, das heisst Softwarpackete und Daten darauf auszutauschen. Dies muss von Hand erledigt werden und unterscheidet sich nur wenig von einer Installation auf einem normalen Computer. Alles wird dabei so eingerichtet, wie der Computer beim Aufstarten der CD-Rom angetroffen werden will. Ist alles Installiert, so wird daraus eine bootbare CD, oder bei erhöhtem Speicherbedarf eine bootbare DVD gebrannt. Meist entwickelt man ein Projekt über länger Zeit auf einem Computer, und neigt dazu unsauber zu arbeiten. Wenn das Projekt dann mal läuft, lässt man es am besten wie es ist, obwohl man sich der fehlenden Perfektion bewusst ist. Dies ist auch kein Problem, solanger der Computer läuft. Sobald aber eine Neuinstallation durchgeführt werden muss, fangen die Schwierigkeiten an. Wie muss welches Programm konfiguriert werden, damit dies und das läuft? Eine Installationsanleitung existiert nicht, kann es durch das Try and Error vergehen während des Projektes gar nicht geben. Am einfachsten wäre es also wenn die Neuinstallation gar nicht erfolgen müsste. Also wenn man die Vorteile der Knoppix CD - ihre problemloses Funktionieren auf verschiedenen Computern - mit dem schon installierten Projekt verschmelzen könnte. Das Betriebssystem sowohl auf meinem Server wie auch auf meiner Arbeitsmachine ist, wie bei Knoppix, Debian GNU/Linux. Die Idee ist es nun hier eine Lösung zu finden, bei der einmal installierte Projekte auf dem Computer ohne komplette Neuinstallation auf die Knoppix CD transportiert werden können. Diese Software würde es ermöglichen, jederzeit aus meinem Arbeitssystem oder Server eine lauffähige CD zu brennen, und somit eine aufwendige Neuinstallation des Projektes zu vermeiden. Zusätzliche wird es dadurch möglich, Backups überflüssig zu machen. Ein Backup ist per Definition eine Sicherheitskopie, die man hofft nie brauchen zu müssen. Statt eines Backups kann dann mit dieser Software jedesmal eine lauffähige CD kreieren. Das Backup hört auf zu existieren. Einige Leute denken nur fertig Projekte seien etwas Wert, ich als kreativer Mensch bin da anderer Ansicht. Am fertigen Projekt lern ich nichts, nur auf dem Weg dahin. Die Abbildung von Zwischenschritten liegt mir darum sehr am Herzen, gerade bei digitalen Arbeiten gehen diese meist verloren. Sie zu bewahren ist wichtig und sollte durch diese Software ermöglicht werden. Die Motavation eine solche Software zu programieren hat auch mit meinem Grossprojekt, der Zuestkuene.org Webseite zu tun. Die wird wohl nie fertig werden, also den Zustand von einem fertigen Projekt gar nie erreichen, um so wichtiger sind die Schnappschusse zwischendurch, weil sie die eigentliche Arbeit sind. file als openoffice datei: diplkonzept_v0.2.sxw oder als rtf: diplkonzept_v0.2.rtf |